Prognosen

Konjunkturprognosen mit begrenztem Wert

Konjunkturprognosen sind regelmäßig dann treffsicher, wenn es keine Trendänderung gibt. Überspitzt ließe sich sagen, dass den Experten die Fortschreibung der Vergangenheit gelingt. Krisen, externe Schocks, Rezessionen, deren Auswirkungen besonders interessant und relevant sind, werden jedoch überwiegend übersehen.

  • Die Wirtschaftsweisen haben in Deutschland lediglich zwei von sechs Rezessionen kommen sehen.
  • Die Finanz- und Staatsschuldenkrise wurde nicht prognostiziert.
  • Auch die Corona-Krise wurde nicht prognostiziert, ihre Auswirkungen korrigiert, z.B. im Gemeinschaftsgutachten 2020.

Je weiter die Prognose in die Zukunft reicht, desto weniger treffsicher fällt sie aus. Das zeigt die Eigenevaluation der Konjunkturprognosen des ifo-Instituts.

2005 lautete ein wissenschaftliches (wirtschaftshistorisches) Urteil, die Politik solle auf Konjunkturprognosen verzichten. Sowohl die Prognosen als auch dern Evaluation hätten sich in den letzten 40 Jahren nichts substanziell verbessert. Die Politik solle die Wirtschaftsforschungsinstitute diesbezüglich nicht mehr subventionieren. Im Grunde gelte das Diktum von Oskar von Morgenstern aus dem Jahr 1928:

Sie sollen die Prognose aufgeben.

IMF Kristallkugel kaputt

Anders denken

Die andere Intelligenz

Wir Menschen neigen dazu, in einfachen Ursache-Wirkung-Beziehungen zu denken. Wir mögen Einfachheit und Klarheit, entweder oder, die Aufteilung in Freund und Feind.

Es lohnt sich die Perspektive zu wechseln. Einfach einmal aufstehen und schauen, aufstehen und sich woanders hinsetzen. Ein Problem aus einer anderen, ungewohnten Perspektive, mit einer unliebsamen Theorie oder Wertehaltung betrachten, ist eine spannende Erfahrung – geradezu erhellend.

Bereits vor mehr als einem Dutzend Jahren hat Bernhard von Mutius dem alten Denken die Alternative der neuen Denkansätze gegenübergestellt.

Theorie

Ungeschehene Geschichte und unsere Zukunft

Der letzte Universalhistoriker Deutschlands, Alexander Demandt, hat vor fast 40 Jahren ein richtig gutes Buch geschrieben: Ungeschehene Geschichte. Es ist sein erfolgreichstes. Der kleine Band war ein Tabubruch in der Historikerzunft. Bis heute ist es ein kluges, weitsichtiges Buch. Teamwork bildet die Grundlage, da es auf zahlreichen Arbeiten und Einsichten von Studenten beruht, die in einem Seminar am Friedrich-Meinecke-Institut im Wintersemester 1983/84 mit ihren Arbeiten eine Grundlage schufen. Die “beknackte” Bürokratie sei auch erwähnt: Das Landesprüfungsamt wollte die Seminarscheine nicht anerkennen.

Warum ist das Buch so gut?

Im Mittelpunkt steht die von Nietzsche formulierte “kardinale Frage”:

“Was wäre geschehen, wenn das und das nicht eingetreten wäre?”

Behandelt wird nicht zuletzt das von Wilhelm von Humboldt kritisierte Streben: “Das allgemeine Bestreben der menschlichen Vernunft ist auf die Vernichtung des Zufalls gerichtet.” Dabei ist der Übergang zwischen Regel und Zukunft fließend wie Alexander Demandt treffend bemerkt. Das weißt auf unsere Neigung hin, konsistente und konsequente Geschichten herbei zu assoziieren und zu erzählen, weil sie uns so angenehm stringent erscheinen. Dabei spielt eine Rolle, dass es uns leichter fällt, “etwas Geschehenes wegzudenken, als etwas Ungeschehenes zu erfinden.” Das hat einen praktischen Grund: “Handlung bedeutet Veränderung”. Handeln ist nicht determiniert. Handlungsfolgen sind nicht determiniert. Gerade in Krisenmomenten spielen kleine Dinge eine große, verändernde Rolle. Schließlich sei an unsere scheinbar grenzenlose, tatsächlich eingeschränkte Phantasie erinnert, die stets mit bereits existierenden Versatzstücken arbeitet.

Tiefe Einsicht in geschichtliches Geschehen

Bessere Welt

So funktioniert Innovation

Innovation sind das wichtigste Phänomen der modernen Welt. Davon ist Matt Ridley überzeugt. Der britische Journalist und Sachbuchautor, Unternehmer und Adeliger (Viscount), hat ein lehrreiches Buch über Innovationen geschrieben. Eine zentrale Botschaft lautet, dass Innovationen eines mehr alles andere benötigen: Freiheit. Freiheit zum Austausch, zum Experimentieren, Freiheit zum Vorstellen, Investieren und Scheitern, Freiheit von Restriktionen und von (vorschnellen) Konsumenten.

Innovationen entstehen sobald Menschen frei denken können, experimentieren und spekulieren und wenn sie mit einander handeln können. Innovationen entstehen dort wo Menschen relativ wohlhabend sind und nicht verzweifelt. Innovationen entstehen überwiegend in Städten und benötigen Investitionen. Zudem gilt:

  • Innovationen sind der wichtigste Wohlstandstreiber und 
  • Innovationen verändern unser Leben vor allem dadurch, dass sie uns Menschen in die Lage versetzen, für einander zu arbeiten. 
  • Innovation ist meistens ein gradueller Prozess und
  • Innovationen sind sehr unbeliebt.  

Innovationen entstehen in einem Prozess der kontinuierlichen, sukzessiven Entdeckung von Wegen wie die Welt neu geordnet werden kann – sie ähneln damit der Evolution.

Matt Ridley macht deutlich, dass Innovation ein gradueller Prozess ist, an dem viele Menschen beteiligt sind und der durch Versuch und Irrtum gekennzeichnet ist. Wenn die erforderlichen Voraussetzungen vorhanden sind, z.B. Elektrizität, geeignete Drähte und passendes Glas etc., dann findet eine Innovation wie die Glühbirne häufig fast zur selben Zeit an verschiedenen Orten statt.

Erinnernswert ist die Unterscheidung zwischen Invention als Erfindung und Innovation als Nutzbarmachen von Neuem. Zugleich gilt, Innovationen sind überwiegend Rekombinationen vorhandener Technologien, Erkenntnisse und Verfahren. 

Zitat des Tages

Personal development needs freedom

Each of us wants to become someone different. And it’s a good thing. It’s a natural human thing. …

And so, when it [the state] blocks, when it obstructs our freedom of action, it obstructs our ability to construct ourselves, to use our artisanal control over ourselves to become an artifactual person different than the one we are today.

Don Boudreaux

This profound insight originates from the discussion between Don Boudreaux and Russ Roberts about the great political economist James Buchanan on EconTalk.

The growing uneasiness and discomfort in view of a never ending lockdown and seemingly arbitrary restrictions on basic rights could have its roots right here: the prohibition of opportunities by the state to express oneself, to develop, to flourish as a human being.

Aus Fehlern lernen

Frankreichs Dilemma im Sahel

Die NZZ berichtet in einem lesenswerten Artikel über den langjährigen französischen Auslandseinsatz im Sahel: „Frankreich hadert mit dem Einsatz gegen die Jihadisten im Sahel – doch ein Ende ist nicht in Sicht“. Im Teaser heißt es: 

Der Tod von fünf Soldaten im Sahel hat in Frankreich die Debatte über die Militäroperation «Barkhane» neu befeuert. Ein Strategiewechsel ist nicht ausgeschlossen. Doch die Franzosen haben sich in der Region in eine Zwickmühle manövriert.

Berichtet wird, dass es sich um einen Kleinkrieg ohne absehbares Ende handelt und die „Operation am Ende ihrer Möglichkeiten“ angelangt ist. Kurz: Die Franzosen gewinnen Gefechte und verlieren den Krieg. 

MvP: Die wissenschaftliche und angewandte wissenschaftliche Literatur ist voller Erkenntnisse, warum kleine Nationen und nicht-staatliche Gruppen Konflikte gegen große Staaten gewinnen, warum Nation- und Statebuilding nicht funktioniert. Afghanistan, Irak und Libyen gehören aus westlicher Perspektive zu den jüngeren Fehlschlägen bestenfalls gutgemeinter Interventionen, der Krieg gegen Drogen ist eine Tragödie.

Aus Fehlern lernen

Vom wachsenden Unbehagen in der Bevölkerung

Wer beschließt heute die weitreichendsten Eingriffe in unsere alltäglichen persönlichen Entscheidungen? Die Exekutive. Eine Runde, ein Nicht-Gremium, in dem die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten zusammenkommt. Das Volk mit seinen Vertretern muss draußen bleiben. Tragweite und Evidenzmangel der Entscheidungen lassen ein ungutes Gefühl aufkommen – je länger die Praxis anhält umso mehr.

Wer trägt die Verantwortung für die Folgen der Politik? Bei wem kann der Bürger sich beschweren? Was kann man gegen die vermeintliche Alternativlosigkeit der Lockdown-Praxis tun? Menschen sterben, ganz allein. Menschen werden Opfer – der vermeintlich alternativlosen Umstände, gesundheitlich, wirtschaftlich-existentiell. Die Corona-Menschen werden jeden Tag gezählt, die Opfer der Corona-Politik nicht. Die Vereinzelung und Vereinsamung entzieht sich den herkömmlichen Statistiken – Gemeinschaft und sozialer Austausch sind jedoch zentral für ein erfülltes Leben. Und als soziale Wesen verbessern wir unsere Welt, kulturell, wirtschaftlich, technologisch-innovativ, politisch.

Zitat des Tages

Freiheit zwischen Auslöschung und Verteidigung

Vor 40 Jahren gab es einen wortgewandten und bemerkenswert humorvollen amerikanischen Präsidenten – mit Format und Charakter. Ronald Reagan.

Der Republikaner gilt als einer der beliebtesten Präsidenten der USA. Seine Wiederwahl gewann er haushoch.

Reagan verteidigte die Freiheit und warb für sie.

Seine Mahnung könnte gerade heute in Deutschland nicht aktueller sein:

Freedom is never more than one generation away from extinction. We didn’t pass it to our children in the bloodstream. It must be fought for, protected, and handed on for them to do the same, or one day we will spend our sunset years telling our children and our children’s children what it was once like in the United States where men were free.

Ronald Reagan

Die Freiheit ist nie mehr als eine Generation von ihrer Auslöschung entfernt. Unsere Kinder haben sie nicht von uns in ihrem Blut. Sie muß erkämpft, geschützt und an sie weitergegeben werden, damit auch sie dasselbe tun können. Sonst werden wir eines Tages unseren Lebensabend damit verbringen, unseren Kindern und Enkeln zu erzählen, wie es einmal in den Vereinigten Staaten war, als die Menschen frei waren.”

Aus Fehlern lernen

Corona – Lockdown – Corona zurück – Lockdown – Co…

Ein Besuch im Café Hayek lohnt sich immer. Don Boudreaux, langjähriger Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der George Mason University, ist der ungekrönte König der Leserbriefe. Seine Beharrlichkeit wird nur übertroffen von seiner spitzen Feder. Im Café Hayek kann man mediokrer Dauerbeschallung entkommen, muss sich aber libertären Perspektiven stellen.

Außer einem virtuellen Kaffee habe ich aus dem Café einige Links mitgebracht – zum Thema Corona. Also los:

1. Die asiatische Grippe (1957-58) war die zweitschlimmste Grippe nach der spanischen. Weltweit starben an der Pandemie 1 bis 4 Millionen Menschen – zu einer Zeit als die Menschheit nur halb so groß war. Die asiatische Grippe könnte ungefähr fünf mal so tödlich wie Corona gewesen sein und 40% der Tote waren unter 65 Jahre, schreibt Jeffrey Tucker.

Lockdowns wurden damals erwogen, aber abgelehnt. Warum? Lockdowns galten als zu disruptiv und schädlich für die Medizinbranche sowie als ungeeignet, sobald das Virus sich bereits ausgebreitet hatte.

=> Mehr von Jeffrey Tucker beim American Institute for Economic Research

MvP: Im Medizinstudium lernt man, dass es unmöglich ist, sich aus einer Epidemie rauszuimpfen. Nur vorbeugen ist möglich.