Rezensionen

Die Zeit duften lassen

Ein erfülltes Leben resultiert nicht aus der Fülle des Lebens, sondern aus einer besonderen Synthese in deren Mittelpunkt das kontemplative Leben steht (vita contemplativa). Mit dieser Überlegung wandte sich der koreanische, in Berlin lehrende Philosoph Byung-Chul Han bereits vor über 10 Jahren gegen den Zeitgeist und somit gegen verbreitete Auffassungen über die Beschleunigung unseres Lebens. Das Gefühl einer allgemeinen Beschleunigung stellt für Han lediglich ein Symptom der „Dyschronie“ dar, einer tiefer liegenden Störung der Zeitwahrnehmung angesichts eines Verlusts von Lebenssinn und Lebensmitte im Zuge permanenter Aktivitäten. Entschleunigung könne keine Abhilfe sein.

Die Zeit zwischen Events, zwischen herausgehobenen Zeitpunkten, sei eine leere Zeit. Der Versuch durch mehr Events oder eine Verkürzung der Leere mehr Lebenswert zu schaffen, stehe dem kontemplativen Leben entgegen, denn

Die Zeit beginnt zu duften, wenn sie eine Dauer gewinnt.“

bemerkt Han. 

Die heutige Zeit sei stark kinematographisch geprägt, also eine Abfolge von bloß Visuellem. Die Gegenwart werde immer kürzer und gedrängter – wir zappen uns gleichsam durch flüchtige Momente. Der Duft sei hingegen eine Erscheinung ohne Dauer, konstatiert Han:

Allein in der Tiefe des Seins tut sich ein Duft auf, wo alle Dinge sich anschmiegen und miteinander kommunizieren. Gerade diese Freundlichkeit des Seins lässt die Welt duften.

Zitat des Tages

Konsequentes Freiheitsdenken für eine freie Gesellschaft

Die Zivilisation wie wir sie kennen – die liberale, freie, dynamisch prosperierende Zivilisation – kann nicht die, wie ich fürchte, wiederholten Runden pathogener Panik und der daraus resultierenden Coronaidiotie (original: Covidocracy) ähnlichen Tyrannei überleben.

Und daher werde ich fortfahren mit jeder Sehne öffentlich gegen diesen Irrsinn zu protestieren – um jede Rolle zu übernehmen, die mir möglich ist, um die Menschen zu überzeugen, ihre exzessive Angst von Corona mäßigen – um zu warnen wann immer ich kann vor en vielen Gefahren des Hygiene Sozialismus – um im Privaten meine stillen Freunde zu drängen ihr öffentliches Schweigen zu brechen.  

Don Boudreaux in seiner AIER-Kolumne

Zitat des Tages

Unerwünschtes Wissen

To some degree, banishing uncomfortable knowledge from the picture was unavoidable, Rayner argued. Faced with a world of irreducible complexity, humans must construct simplified versions of reality in order to act. But when institutions are unable to integrate uncomfortable knowledge into policy making, the consequences can be grave. This is true not just with regard to short-term policy outcomes, but also to the long-term credibility of the institutions.

Uncomfortable Knowledge – The Breakthrough Institute – Ted Nordhaus

Unbequemes, unliebsames, unerwünschtes Wissen entsteht, wenn es vorgefassten Ansichten entgegensteht.

Problematisch wird es in der Politik, deren Handeln viele Menschen betrifft.

Besonders problematisch wird es, wenn Politik respektive der Staat, dessen Zweck die Sicherung des Friedens im Auftrag der Bürger ist, nicht in der Lage sind, unliebsames Wissen zu integrieren.

Aufgabe der Politik ist es, nicht nur auf die kurzfristigen Folgen für eine Gruppe, sondern auch auf die langfristigen Folgen für alle Menschen zu schauen. Das ist das berühmte Diktum von Henry Hazlitt in Economics in one Lesson.

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Entscheidungen fällen unter Unsicherheit

Das ist unser Alltag: Entscheidungen fällen unter Unsicherheit. Erfolgreiche Unternehmer fällen Entscheidungen, die vorteilhaft für das Unternehmen, die Mitarbeiter und vor allem die Kunden sind.

Besonders herausgefordert unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen ist und waren im Pandemie-Jahr Politiker und Bürokraten – kurz: der Staat. Die Performance ist schlecht. Dabei gibt es Hilfsmittel (wie im Beitrag zs. mit Johannes Bachmann skizziert: Unsicherheiten mithilfe von Was-Wäre-Wenn-Szenariotechniken reduzieren)

In “Radical uncertainty. Decision-making for an unknowable future” haben John Kay und Mervyn King das Thema aus verschiedenen Perspektiven bedacht.

Besonders gut gefällt mir der Einstieg mit einem Hayek-Zitat aus seiner Nobelpreisrede:

„I prefer true but imperfect knowledge, even if it leaves much indetermined and unpredictable, to a pretence of exact knowledge that is likely to be false.“

Wenn man eine Botschaft aus dem facettenreichen Buch mitnehmen möchte, dann vielleicht die: Radikale Unsicherheit umgibt uns viel öfter als uns bewusst ist. Im Umgang damit gibt es keine einfachen Antworten. Die wesentliche Aufgabe besteht darin, die Unsicherheit und das, was dahinter steht, zu verstehen. Eine robuste Strategie und eine gute Erzählung helfen bei der Bewältigung.

Radical Uncertainty

John Kay war von 2003-2013 Gouverneur der Bank of England, der englischen Zentralbank, und ist derzeit Prof. für Wirtschaft und Recht an der New York University und der London School of Economics. Angesichts der tief gehenden Überlegungen steht unweigerlich die Frage im Raum, ob der oberste Zentralbanker sich entsprechend verhalten hat.
Mervyn King ist Ökonom, Publizist und derzeit Fellow am St. John‘s College Oxford, wo er u.a. zuvor  lehrte. Zudem war er Direktor mehrerer Staatsunternehmen.