3 Szenarien

Niemand kann wissen, wie die Welt 2076 aussehen wird.

Auch ich weiß es nicht.

Wir Menschen können immerhin Bilder von der Zukunft entwerfen. Eine simple Methode ist die Kreativitätstechnik: Szenarien bilden.

Üblicherweise werden drei Szenarien entworfen: gut – mittel – schlecht.

Gut: Eine glänzende Zukunft erwarten derzeit wohl nur wenige Menschen in Deutschland, Europa, dem Westen. Gleichwohl gibt es auch Anlass zu Optimismus. 2076 könnten weitere Krankheiten ausgerottet sein, wie gerade erst Polio auf dem afrikanischen Kontinent im Jahr 2020. Die Medizin wird (weiter) beträchtliche Fortschritte machen, was den Zahnarztbesuch noch angenehmer macht genauso wie den zum Standard gewordenen Austausch von verbrauchten Körperteilen. Noch mehr Freizeit, gesündere Ernährung, hochwertiges Wohnen und weiter verbesserten Transport von Menschen und Gütern könnte dazu gehören – die virtuellen Welten werten weit entwickelt sein. Die Vernetzung von Wissen und weltweiter Arbeitsteilung hat neue Innovationspotenziale erschlossen und unsere Arbeitswelt verändert. Der Alltag der allermeisten Menschen spielt sich in Städten ab. Wird es nach der großen Individualisierung eine Rückkehr zu mehr Gemeinschaft geben? Mit der Zunahme globalen Wohlstands und der Integration weiter Teile Afrikas wird die Umwelt sauberer sein. Eine wohlhabendere, sauberere und sicherere globale Gesellschaft nimmt Formen an.

Mittel: Zumeist entwickelt sich die Zukunft weniger spektakulär als erhofft und weit weniger dramatisch als befürchtet. Technologisch gilt Amaras Law: “We tend to overestimate the effect of a technology in the short run and underestimate the effect in the long run.” Kolonien auf dem Mond und Mars, interstellare Reisen brauchen viel mehr Zeit, selbst autonomes Fahren, geschweige denn Flugtaxis. Letztere erscheinen gleichwohl nicht abwegig. Schließlich sorgen die unabhängigen Bemühungen von Millionen bzw. Milliarden Menschen, insbesondere der vielen anonymen Unternehmer, dass der Lebensstandard kontinuierlich steigt. Wer hätte 1914 die Mobilität von 1970 mit Autos und Flugzeugen erahnt – trotz zweier Weltkriege? Wer hätte die Fortschritte in der Medizin und der Informationstechnologie der letzten letzten 55 Jahre voraussehen können? Wahrscheinlich wird die Welt wohlhabender, sauberer und stärker bevölkert sein, bei gleichzeitig besserer Umwelt – in welchem Maße, das hängt von verschiedenen Faktoren ab: nicht zuletzt von Frieden & Freiheit.

Schlecht: Eine eher düstere Zukunft ist literarisch, in Filmen und Hörspielen vielfach entworfen worden. Ein unterhaltsames Beispiel ist das Hörspiel “Jonas, der letzte Detektiv“. Michael Koser lässt seinen Anti-Helden in der Metropole Babylon Fälle lösen, in einer Welt, die durch Staatsbürokratismus und Konzerne sowie organisiertes Verbrechen beherrscht wird. Zynischer Pragmatismus ist an der Tagesordnung und der Klimakollaps längst Realität. Der Wert eines Menschen wird durch die Staatsbürokratie aufgrund seines Berufs respektive Werts für die Gesellschaft amtlich festgelegt. Die Berechtigung für eine Wohnung in einer entsprechenden Quadratmeterklasse resultiert daraus. Ärzte und Künstler sind Staatsangestellte mit Pensionsansprüchen. Alle Menschen beziehen ein Grundeinkommen (Volksrente) und werden mit Holo-TV manipuliert und desinformiert. Autos sind aufgrund einer Dekarbonisierungspolitik verboten und werden nur noch von wenigen Reichen gefahren. Flüchtlinge werden an den Grenzen erbarmungslos abgewiesen. Die autoritäre, ineffiziente Herrschaft kann Terrorismus nicht verhindern.

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