Realität

KI-Wunder brauchen länger

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde und verspricht Wunder. Eigentlich würde der Begriff “Maschinelles Lernen” besser passen, aber der klingt etwas lahm.

Die Intelligenz beschränkt sich nämlich noch vielfach auf enorme Rechenleistung, das Abarbeiten vorgegebener Muster und das Analysieren und Interpretieren auf strukturelle, nicht aber semantische Art und Weise.

Im Freiheitslexikon habe ich einen Text mit dem Titel Erweiterte Intelligenz verfasst. Er beginnt mit dem Theodor Heuss Zitat: „Eines Tages werden Maschinen denken, aber sie werden niemals Fantasie haben.“ Dort skizziere ich vor allem Stationen, Hindernisse, Nutzen und Perspektive von KI. Johannes Kirnberger hat eben dort den Beitrag zur Künstlichen Intellligenz verfasst.

Aufregung und Erdung des Themas KI hat in einem gelungenen Artikel Fahri Karakas in Predict eingefangen. Die Überschrift deutet das an: What You Need to Know About GPT-3 And Why It Matters. An idiot’s guide to GPT-3 and what is to come.

GPT-3 ist ein als Wunder bezeichnetes Sprachwerkzeug, das auf Maschinellem Lernen beruht. Es kann wirklich eine Menge – von Inhalten analysieren, philosophieren über komponieren bis zu Filme mit Emojis zusammenfassen. Auch Unterhaltungen sind möglich.

Interessanter ist vielleicht, was GPT-3 nicht kann:

  • einen längeren Gedanken verfolgen und ausarbeiten!

Außerdem produziert es plausible, aber falsche Aussagen. Und es könnte genauso leicht plausible Fake News glaubwürdig verbreiten wie Phishing betreiben und mit verletzender Sprache Konflikte schüren.

Was nun? Maschinelles Lernen steht erst am Anfang. Solange wir unser eigenes Gehirn noch nicht richtig verstehen, aber schon ahnen, dass zur Bewusstseinsbildung und Intelligenz auch damit scheinbar unverbundene Körperfunktionen beitragen, werden Maschinen unser Leben verbessern, ohne Science-Fiction Realität werden zu lassen.

Um bis 2035 I, Robot zu erreichen, müssten wir richtig Gas geben.

Aus Fehlern lernen

Frankreichs Dilemma im Sahel

Die NZZ berichtet in einem lesenswerten Artikel über den langjährigen französischen Auslandseinsatz im Sahel: „Frankreich hadert mit dem Einsatz gegen die Jihadisten im Sahel – doch ein Ende ist nicht in Sicht“. Im Teaser heißt es: 

Der Tod von fünf Soldaten im Sahel hat in Frankreich die Debatte über die Militäroperation «Barkhane» neu befeuert. Ein Strategiewechsel ist nicht ausgeschlossen. Doch die Franzosen haben sich in der Region in eine Zwickmühle manövriert.

Berichtet wird, dass es sich um einen Kleinkrieg ohne absehbares Ende handelt und die „Operation am Ende ihrer Möglichkeiten“ angelangt ist. Kurz: Die Franzosen gewinnen Gefechte und verlieren den Krieg. 

MvP: Die wissenschaftliche und angewandte wissenschaftliche Literatur ist voller Erkenntnisse, warum kleine Nationen und nicht-staatliche Gruppen Konflikte gegen große Staaten gewinnen, warum Nation- und Statebuilding nicht funktioniert. Afghanistan, Irak und Libyen gehören aus westlicher Perspektive zu den jüngeren Fehlschlägen bestenfalls gutgemeinter Interventionen, der Krieg gegen Drogen ist eine Tragödie.

Realität

Gute Nachricht: Welthandel in gutem Zustand

Die Corona-Lockdowns verschiedener Staaten beeinträchtigen die wirtschaftliche Nachfrage global nicht. Diese Einschätzung der Reederei Maersk meldeten die Deutschen WirtschaftsNachrichten (DWN). So würden die “historisch hohen” Containerfrachtraten voraussichtlich mindestens noch einige Wochen anhalten.

“Es gibt einfach nicht genug Container auf der Welt, um die aktuelle Nachfrage zu befriedigen”,

DWN

sagte Maersk-Vorstandsmitglied Vincent Clerc.

Verschiedene quantitative Angaben illustrieren diese Aussage. Die aktuelle Lage unterscheidet sich vom Lockdown Anfang 2020, der mit einer Unterbrechung der Lieferketten und einem scharfen Einbruch des internationalen Warenverkehrs einherging.

So zeigt der Containerumschlag-Index des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) bis einschließlich November keinen Einbruch, sondern ein Wachstum. Die Zahlen für Dezember erscheinen erst am 29. Januar.

Hintergrund: Der internationale Warenverkehr wird vor allem per Seeschiff mit Containern abgewickelt. Der Containerumschlag (Be-, Ent- oder auch Verladen von einem Transportmittel auf ein anderes) in den Häfen ist damit ein wichtiger Indikator des globalen Handels.

Narrative

Sehen was man ist

Wir sehen nicht die Dinge, wie sie sind.
Wir sehen die Dinge, wie wir sind.”

MvP: Wahrnehmung ist ein selektiver Prozess – aus Selektieren, Interpretieren und Bewerten.

Narrative

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die richtige Wirklichkeit ist.

Hilde Domin (1909-2006), deutsche Schriftstellerin, studierte Jura und VWL, lebte in Rom, emigrierte 1939 nach England und über Kanada in die Dominikanische Republik, kehrte 1954 nach Deutschland zurück.

MvP: Perspektivenreichtum führt zu Erkenntnisreichtum. Wir neigen zu sehr dazu, unsere Sicht, unsere Erzählung und Überzeugung auszubreiten und gegen andere zu verteidigen. Dabei spricht nichts dagegen, andere Perspektiven wahrzunehmen und ihnen etwas abzugewinnen, ohne eigene Erkenntnisse aufgeben zu müssen.