Kontra-intuitiv: Schule verbessert das Leben nicht

Die Pandemie-Politik hat zum Ausfall von Unterricht, zu einer Verschlechterung der Vermittlung des Lernstoffs geführt. Vor allem sozial schwache Schüler leiden darunter. So lautet eine These, die noch dazu Billionen schwere Einkommensverluste für die zukünftigen Lebensjahrzehnte prognostiziert.

Eine interessante empirische Untersuchung kommt nun zu einem gegenteiligen Schluss. Gregory Clark und Neil Cummins haben beim CATO Institute unter dem Titel Does Education Matter? die verlängerte Schulpflicht in England und Wales von 1919–1922, 1947 und 1972 untersucht. Insgesamt stieg das Schulpflichtalter von 12 auf 16 Jahre.

Das Ergebnis: keine erkennbaren Einkommensgewinne für die betroffenen Kohorten und keine verbesserte Lebensqualität durch längere Schulzeit für Kinder aus niedrigen Einkommensschichten:

One piece of counterevidence is the effects of England’s extensions of compulsory schooling in 1919–1922, 1947, and 1972. This shows compellingly that more schooling for students of lower socioeconomic status produced little or no gains in incomes or in broader measures of living standards, such as longevity.

Und an anderer Stelle:

Again … we find no effect. The 1919–1922 schooling extension did not allow the affected cohorts to move to communities with more education, less crime, or less unemployment. Similarly, we find that the 1947 extension of the leaving age to 15 had no impact on the survival rate of men and women from age 15 to 65 and by implication had no impact on the health of individuals.

Die Hervorhebungen stammen von mir.

Wie immer gilt: Der Teufel steckt im Detail der Empirie. Reicht die Datenqualität aus? Sind alle relevanten Einflussfaktoren erfasst worden? Lässt sich von einer folgenlosen Verlängerung der Schulzeit auf die Folgen eines Ausfalls von Schule schließen?

Diese Einwände gelten gleichwohl auch für die gegenteilige Sicht und können nur im wissenschaftlichen Diskurs geklärt werden. Der scheint vorurteilsbeladen zu sein. Zumindest urteilen Gregory Clark und Neil Cummins, dass es zahlreiche derartige Belege gebe, die aber weitaus schwieriger publizierbar seien als ein Lob auf die (Staats)Schulpflicht.

Meine Ankerheuristiken dazu: 1. Erfolgreiche Unternehmer in den USA sind wiederholt nicht erfolgreiche Schüler oder Studenten gewesen. 2. Mancher amerikanische Unternehmer soll potenzielle Nachwuchsunternehmer dafür bezahlen, nicht zu studieren. 3. Der Mangel an schulischer Bildung bzw. die Abneigung von Lehrern und Schulbüchern gegenüber Marktwirtschaft und Unternehmertum in Deutschland erscheinen nicht gerade geeignet, unsere Lebensqualität zu verbessern.

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