Aus Fehlern lernen

Priming von Zukunftsperspektiven

Werden Schüler an deutschen Schulen mit reduzierten Perspektiven auf die Zukunft geimpft? Das scheint für die BRD und DDR gegolten zu haben und gilt noch heute. Interessanterweise geschieht das in Geschichtslehrbüchern. 

Die Basisnarrative, die in der Schule eingeübt werden, hat Sabrina Schmitz-Zerres in ihrer Dissertation „Die Zukunft erzählen. Inhalte und Entstehungsprozesse von Zukunftsnarrationen in Geschichtsbüchern von 1950 bis 1995“ untersucht – und zwar sowohl deren inhaltlich-thematische Ausgestaltung als auch den Zulassungsprozess bis zur Veröffentlichung.

Die „zeitgenössischen Zukunftsbeschreibungen” im Geschichtslehrbuch „wirken auf das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft ein, was durch ihre Verwendung in der schulischen Geschichtsvermittlung auch intendiert ist. Es handelt sich bei diesen Narrativen um Deutungen, die die Offenheit von Zukunft reduzieren und ein Geschichtsbild von Kontinuität vermitteln.“ wie der Besprechung durch Wolfgang Jacobmeyer in sehepunkte zu entnehmen ist.

Dystopien

Dystopie ohne Ökonomie

„Das Licht der letzten Tage“ ist ein dystopischer Roman von Emily St. John Mandel, einer kanadischen Schriftstellerin (Jahrgang 1979), die in New York lebt. Die dyssynchron erzählte Geschichte (englisches Original: Station Eleven, 2014) rankt sich rund um den Bühnentod des etwas abgehalfterten Filmschauspielers Arthur und einiger mit ihm verbundener Personen. Das Narrativ ist in zwei Welten angesiedelt: Das ist einerseits die globalisierte Welt mit ihren individuellen Herausforderungen insbesondere rund um das Promi-Dasein des (früheren) Stars und andererseits der Überlebenskampf in der Apokalypse nach der Auslöschung der Menschheit durch eine Grippe-Pandemie insbesondere im Jahr 20 der neuen Zeitrechnung. Beide Welten sind durch Vor- und Rückblenden verflochten, durch die Beziehungen und Kennverhältnisse von Personen sowie durch ein Science-Fiction-Comic, ein Interview und ein Buch als Briefsammlung.

Rezensionen

Die Zeit duften lassen

Ein erfülltes Leben resultiert nicht aus der Fülle des Lebens, sondern aus einer besonderen Synthese in deren Mittelpunkt das kontemplative Leben steht (vita contemplativa). Mit dieser Überlegung wandte sich der koreanische, in Berlin lehrende Philosoph Byung-Chul Han bereits vor über 10 Jahren gegen den Zeitgeist und somit gegen verbreitete Auffassungen über die Beschleunigung unseres Lebens. Das Gefühl einer allgemeinen Beschleunigung stellt für Han lediglich ein Symptom der „Dyschronie“ dar, einer tiefer liegenden Störung der Zeitwahrnehmung angesichts eines Verlusts von Lebenssinn und Lebensmitte im Zuge permanenter Aktivitäten. Entschleunigung könne keine Abhilfe sein.

Die Zeit zwischen Events, zwischen herausgehobenen Zeitpunkten, sei eine leere Zeit. Der Versuch durch mehr Events oder eine Verkürzung der Leere mehr Lebenswert zu schaffen, stehe dem kontemplativen Leben entgegen, denn

Die Zeit beginnt zu duften, wenn sie eine Dauer gewinnt.“

bemerkt Han. 

Die heutige Zeit sei stark kinematographisch geprägt, also eine Abfolge von bloß Visuellem. Die Gegenwart werde immer kürzer und gedrängter – wir zappen uns gleichsam durch flüchtige Momente. Der Duft sei hingegen eine Erscheinung ohne Dauer, konstatiert Han:

Allein in der Tiefe des Seins tut sich ein Duft auf, wo alle Dinge sich anschmiegen und miteinander kommunizieren. Gerade diese Freundlichkeit des Seins lässt die Welt duften.

Zitat des Tages

Konsequentes Freiheitsdenken für eine freie Gesellschaft

Die Zivilisation wie wir sie kennen – die liberale, freie, dynamisch prosperierende Zivilisation – kann nicht die, wie ich fürchte, wiederholten Runden pathogener Panik und der daraus resultierenden Coronaidiotie (original: Covidocracy) ähnlichen Tyrannei überleben.

Und daher werde ich fortfahren mit jeder Sehne öffentlich gegen diesen Irrsinn zu protestieren – um jede Rolle zu übernehmen, die mir möglich ist, um die Menschen zu überzeugen, ihre exzessive Angst von Corona mäßigen – um zu warnen wann immer ich kann vor en vielen Gefahren des Hygiene Sozialismus – um im Privaten meine stillen Freunde zu drängen ihr öffentliches Schweigen zu brechen.  

Don Boudreaux in seiner AIER-Kolumne

Zitat des Tages

Unerwünschtes Wissen

To some degree, banishing uncomfortable knowledge from the picture was unavoidable, Rayner argued. Faced with a world of irreducible complexity, humans must construct simplified versions of reality in order to act. But when institutions are unable to integrate uncomfortable knowledge into policy making, the consequences can be grave. This is true not just with regard to short-term policy outcomes, but also to the long-term credibility of the institutions.

Uncomfortable Knowledge – The Breakthrough Institute – Ted Nordhaus

Unbequemes, unliebsames, unerwünschtes Wissen entsteht, wenn es vorgefassten Ansichten entgegensteht.

Problematisch wird es in der Politik, deren Handeln viele Menschen betrifft.

Besonders problematisch wird es, wenn Politik respektive der Staat, dessen Zweck die Sicherung des Friedens im Auftrag der Bürger ist, nicht in der Lage sind, unliebsames Wissen zu integrieren.

Aufgabe der Politik ist es, nicht nur auf die kurzfristigen Folgen für eine Gruppe, sondern auch auf die langfristigen Folgen für alle Menschen zu schauen. Das ist das berühmte Diktum von Henry Hazlitt in Economics in one Lesson.

Uncategorized

Entscheidungen fällen unter Unsicherheit

Das ist unser Alltag: Entscheidungen fällen unter Unsicherheit. Erfolgreiche Unternehmer fällen Entscheidungen, die vorteilhaft für das Unternehmen, die Mitarbeiter und vor allem die Kunden sind.

Besonders herausgefordert unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen ist und waren im Pandemie-Jahr Politiker und Bürokraten – kurz: der Staat. Die Performance ist schlecht. Dabei gibt es Hilfsmittel (wie im Beitrag zs. mit Johannes Bachmann skizziert: Unsicherheiten mithilfe von Was-Wäre-Wenn-Szenariotechniken reduzieren)

In “Radical uncertainty. Decision-making for an unknowable future” haben John Kay und Mervyn King das Thema aus verschiedenen Perspektiven bedacht.

Besonders gut gefällt mir der Einstieg mit einem Hayek-Zitat aus seiner Nobelpreisrede:

„I prefer true but imperfect knowledge, even if it leaves much indetermined and unpredictable, to a pretence of exact knowledge that is likely to be false.“

Wenn man eine Botschaft aus dem facettenreichen Buch mitnehmen möchte, dann vielleicht die: Radikale Unsicherheit umgibt uns viel öfter als uns bewusst ist. Im Umgang damit gibt es keine einfachen Antworten. Die wesentliche Aufgabe besteht darin, die Unsicherheit und das, was dahinter steht, zu verstehen. Eine robuste Strategie und eine gute Erzählung helfen bei der Bewältigung.

Radical Uncertainty

John Kay war von 2003-2013 Gouverneur der Bank of England, der englischen Zentralbank, und ist derzeit Prof. für Wirtschaft und Recht an der New York University und der London School of Economics. Angesichts der tief gehenden Überlegungen steht unweigerlich die Frage im Raum, ob der oberste Zentralbanker sich entsprechend verhalten hat.
Mervyn King ist Ökonom, Publizist und derzeit Fellow am St. John‘s College Oxford, wo er u.a. zuvor  lehrte. Zudem war er Direktor mehrerer Staatsunternehmen.

Aus Fehlern lernen

Experten-Staatsversagen vermeiden

In Krisenzeiten tritt Versagen deutlicher hervor als in Zeiten von Wachstum und guter Stimmung. Gleichwohl ist in der Corona-Krise bemerkenswert wenig die Rede vom Staatsversagen. Experten und Politiker geben den Ton an.

In der Wirtschaftspolitik wurden Schwächen und schädlichen Folgen staatlichen Handelns früher regelmäßig aufgezeigt, insbesondere als es noch Lehrstühle für Ordnungspolitik und namhafte liberale Ökonomen gab.

Solange die konkurrierenden Systeme in Ost und West existierten, war das Versagen des sozialistischen Staatsmodells auf der Tagesordnung, insbesondere seitdem die teils dramatischen Konsequenzen unübersehbar wurden – zuvor von einsamen klassisch und neuliberalen Denkern.

Konsequente Liberale, Anhänger der Österreichischen Schule und der Public Choice Schule sind mit Staatsversagen wohl vertraut. Das liegt auch an ihrer praktisch bewährten Bürokratietheorie. Heute sind sie an den Rand gedrängt und gerade auch in Deutschland einflusslos.

Vorsichtig ist geboten, damit man mit der berechtigten und fundierten Kritik all der Missstände, Fehler und strukturellen Unzulänglichkeiten des Systems Staat nicht in eine Negativspirale abgleitet und dort verharrt. Vielfach sind die komplexen Lagen vertrackt. Vielmehr gilt es zukunftsgerichtet an Verbesserungen zu arbeiten. Das können Verbesserungen sein, die Politiker und Bürokraten nutzen können, außerdem sind grundsätzliche Neuerungen angebracht.

Aus Fehlern lernen

Wer koordiniert besser: der Staat oder der Markt?

Die Frage ist mindestens so alt wie der Sozialismus und der Etatismus. Wer koordiniert besser: der Staat mit seinen Bürokraten oder der Markt mit Unternehmern und Konsumenten?

Die Bilanz ist eindeutig und die Antwort simpel: Kommando- und Kontrollstrukturen haben keine Chance gegen die dezentrale Koordination des Marktes bei der Allokation knapper Ressourcen.

Das Koordinationsproblem löst der Markt mit seinen Institutionen: Preise, Privateigentum, Profit und Verlust und daraus resultierenden Anreizen, Informationen und Innovationen.

Diese Tatsache wirft eine weitreichende Frage auf: Warum erfolgt die Produktion der Impfstoffe durch Unternehmen, deren Verteilung an die Bevölkerung aber nach staatlicher Anordnung?

Anders denken

Wie ist die Welt wirklich?

Ist die Welt so wie wir sie wahrnehmen? Ist sie so wie andere Menschen sie wahrnehmen? Können wir zuweilen einfach nicht sagen wie die Realität ist?

Manchmal wissen wir es nicht.

The Hot Hand

Silhouette, Sport, Basketball, Isoliert, Mann, Spieler

Beim Basketball spricht man von einer Hot Hand, beim (Glücks)Spiel von einer Glückssträhne, wenn ein mehrfach realisiertes Ereignis die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens erhöht. Im Basketball ist das z.B. die wahrgenommene Fähigkeit, 3-Punkte-Würfe wie am Fließband zu werfen. Man spricht insgesamt Sport von einem Lauf. Im Spiel nennt man das Glückssträhne.

Ansatz: Im Sport sind Spieler zuweilen „on fire“, sie spielen auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Sie befinde sich „in the Zone“ und erbringen dort Höchstleistungen. Ist das real oder eine Illusion? 

Zitat des Tages

Doppelplus und Einzelstern

›Plusgut‹ drückt das Gewünschte aus; oder ›doppelplusgut‹, wenn du etwas noch Stärkeres haben willst. Freilich verwenden wir diese Formen bereits, aber in der endgültigen Neusprech gibt es einfach nichts anderes.

George Orwell: 1984

Neusprech ist eine künstliche, politischen Zweckende dienende Sprache in dem dystopischen Roman “1984”. Dort soll mittels Sprachpolitik die Ideologie IngSoc (English Socialism) verankert werden. Neusprech signalisiert anders als herkömmliche Sprache stets das Ausmaß der Übereinstimmung mit der herrschenden Ideologie.

+gut und ++gut können eine Assoziation mit * auslösen: “Alex ist ein*e Künstler*in“.