Perspektivwechsel: Gewalt-Unternehmer nicht nur Verbrecher

Was haben der Krieg in Afghanistan, der Krieg gegen Drogen und Krieg gegen den Islamischen Staat gemeinsam?

Aus der Sicht der Staatsführungen handelt es sich um Verbrecher, die zur Strecke gebracht werden müssen: Usama bin Laden und alle ihm nachfolgenden al-Qaida Anführer sowie die Taleban, Pablo Escobar und alle nachfolgenden Drogen-Kartell-Bosse, Abu Bakr al-Baghdadi und die sogenannte Terrororganisation Islamischer Staat.

Die Frontstellung ist ziemlich einfach: Wir sind die Guten, die sind die Bösen. Wir werden alle Gewalt-Mittel einsetzen, um die Bösen zu besiegen und zu bestrafen. Ein Problem: Dieser Ansatz funktioniert regelmäßig nicht. Selbst wenn es gelingt die Anführer auszuschalten, rücken Nachfolger in den Rängen nach oben. Die Organisationen bestehen fort, werden neu gegründet, gehen noch tiefer in den Untergrund oder in unwegsames Gelände und kommen zurück. Zugleich sind die Kosten horrende: materiell, was die auch eigenen Opfer betrifft, teilweise politisch, weil die Jahrzehnte währenden Kriege nicht gewonnen werden. Vielleicht steckt darin ein Anreiz sie fortzuführen – auf beiden Seiten.

Was tun?

Das Problem anders betrachten.

Gary M. Shiffman hat das getan. Er schlägt in seinem Buch “The Economics of Violence” vor, zurückhaltend mit der Vergabe von Etiketten zu sein, ob das rasche Urteile über Religionen wie den Islam sind oder Menschen, die als Terroristen bezeichnet werden. Ein solches Schubladendenken erfasse weder die Motivationen der Akteure hinreichend noch werde sie der Tatsache gerecht, dass die Gewaltunternehmer Familien, Freunde und Mitstreiter haben, die für ihr Handeln wesentlich sind.

Das Schlusskapitel leitet Shiffman passend mit einem Tolkien Zitat aus Herr der Ringe ein:

The enemy? His sense of duty was no greater than yours, I deem. You wonder what his name is. Where he came from and if he really was evil at heart. What lies or threats drove him on this long march from home. Would he not rather have stayed there in peace? War will make corpses of us all.

Shiffman, ehemaliger US Navy Offizier, erfolgreicher Software-Unternehmer und Dozent an der Georgetown University, wirbt dafür, einen anderen Standpunkt einzunehmen, nämlich:

  • nicht-staatliche Gewaltakteure aus unternehmerischer Perspektive zu betrachten.
  • statt primär Ideologie für das Handeln der Gewaltakteure verantwortlich zu machen, andere Anreize zu betrachten.
  • nicht-staatliche Gewaltakteure mit unternehmerischen Mitteln aus dem Markt zu drängen.

Aus Krimineller, Aufständischer, Terrorist, Muslim, Christ, Israeli, Palästinenser werde dann Firma, Entrepreneur, Institution, Marke, Rekrutieren, Governance.

Als Gegenmaßnahmen kommen in strategischer Hinsicht in Frage u.a.: Marktanteile verringern, Kosten der Gewaltunternehmer erhöhen, Nachfrage senken, alternative Betätigungen attraktiver machen. Finanzierung erschweren, Management-Fähigkeiten einschränken, Rekrutierungsmögichkeiten verringern. Es entsteht in ökonomischer Perspektive ein Verdrängungswettbewerb aus einem lukrativen Markt. Und der erfordert unternehmerisches Denken und Handeln auf staatlicher Seite, um die Sicherheit zu verbessern.

Zudem ist ein anderer Ansatz der Behörden erforderlich, die stärker untereinander und mit dem Privatsektor zusammen arbeiten müssen, deren Angestellte stärker für Ergebnisse belohnt werden sollen.

Der Ansatz steht in der Tradition der George Mason University, die sicherheitspolitisch u.a dafür plädiert, die Nachfrage nach Gewaltunternehmertum zu reduzieren statt das Angebot zu bekämpfen.

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