Supercomputer flopt – erwartungsgemäß

Die Sehnsucht nach zutreffenden Prognosen ist groß. Schon in der Antike orakelte es, nicht nur in Delphi, einer exzellenten Informationsbörse ohne Glaskugel.

Nützlich sind Vorhersagen in vielen Bereichen. Ein Beispiel ist das Wetter. Zugleich weisen die ständigen Wechsel der Vorhersagen, sobald diese drei Tage überschreiten, auf die Grenzen der Vorhersage von komplexen Systemen hin. Nur gut, dass beim Klima die Entwicklung sonnenklar ist.

Nachdem bei Schach und AlphaGo Computer Menschen schlagen konnten, schien das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz angebrochen zu sein. Längst werden indes die Grenzen der optimistischen Annahmen über das Lernen von Maschinen deutlich. Ein Beispiel ist der Sport.

Ein Super Computer hat den Ausgang der Fußball Europameisterschaft vorhergesagt. Die menschlichen Betreiber rühmten die 20 Jahre umfassende Datenbank und die vielen Rechenläufe.

“We’ve tapped into the breadth of our technical capabilities to simulate the tournament, processing millions of data points from the last 20 years in order to identify the winning team.

Auch korrekt vorhergesagte Ergebnisse wurden in einer Zwischenbilanz in den Vordergrund gestellt. Auffällig war die kurze Liste wegen der Aufteilung von wenigen korrekt prognostizierten Ergebnissen und einigen zutreffenden Spielausgängen ohne korrekte Tore.

Insgesamt kann man von einem totalen Flop sprechen. Ein Flop mit Ansage. Schon die Gruppenphase lief nicht gut für den Super Computer, mit dem Achtefinale wurde es noch schlechter, die konkrete Spielvorhersage Dänemark – England war ein Desaster.

The simulation predicts that England will rush into a two-goal lead within the opening 16 minutes only for Denmark to launch a remarkable turnaround.

Nein, die Dänen schossen das erste Tor. Und es blieb beim 1 : 1 in der regulären Spielzeit.

The Danes are then due to pull a goal back before half-time and level the score in the second half, before grabbing a sensational winner in the third minute of stoppage time.

Nein, die Engländer schossen den Ausgleich. Das Spiel ging in die Verlängerung und England verwandelte einen zweifelhaften Elfmeter zum Sieg in der Nachspielzeit.

Eine gleich schlechte Prognose bietet, ebenfalls mit Hinweis auf einen Super Computer, ein großes Sport-Radio. Selbst die Wahrscheinlichkeiten für den Sieg einer Mannschaft wollen nicht zur Realität passen (ganz unten im Beitrag).

Woran könnte es liegen, dass sich der Super Computer als Blechbüchse erwies?

  1. Die Prognose beruhte auf statistischen Daten der Vergangenheit. Es wird anders als vielleicht angenommen kein reales Spiel mit seinen Spielzügen simuliert. Nicht einmal die aktuelle Mannschaft kann so betrachtet werden.
  2. Die Simulation eines realen Spiels würde rasch die Rechenkapazitäten übersteigen aufgrund der exponentiell ansteigenden Möglichkeiten für Spielzüge. Und das, obwohl das Spielfeld begrenzt und die Regeln eindeutig und überschaubar sind.
  3. Menschliches Handeln ist viel zu komplex, um es rein statistisch oder auch in Modellen realitätsnah abzubilden. Das zeigen kontinuierlich weiterentwickelte Simulationen in der NFL, der National Football League.

Maschinen sind nicht intelligent. Sie können aber aufwändige Rechenarbeiten schnell durchführen und dem Menschen komplizierte Gedankenarbeit abnehmen. Sobald es komplex wird, geht nichts ohne den Menschen, seine Fähigkeit Modelle zu entwerfen, seine Anweisungen an Maschinen, ihm Arbeit abzunehmen.

Alles andere bleibt bis auf weiteres das Versprechen, eine Glaskugel zu besitzen.

Wetten, dass?!

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